Heute bin ich an der Reihe, euch etwas zu zeigen, mit dem ihr „Klar Schiff“ machen könnt in eurem Nähzimmer.

Bei mir ist ein ewiges Ärgernis, dass ich es hasse Dinge von einem Platz zum anderen zu räumen, zum Beispiel um sie wohin mitzunehmen und ich immer genervt war, wenn ich zu einem Nähtreffen aufbrechen wollte und dachte dies und das zu brauchen und doch Wichtiges zu vergessen – dann ärgerte ich mich dort sehr, weil ich nicht vorankam.

Aber jetzt – endlich habe ich einen lange gehegten Wunsch in die Tat umgesetzt und mir eine Tasche genäht, in der alles Platz finden kann, was man so zu einem Nähtreffen mitnimmt und wo es dann einfach drin bleibt bis zum nächsten Mal.

Bisher hab ich mich davor erfolgreich gedrückt, weil ich so selten Tasche nähe, mir kein geeigneter Schnitt unter die Augen kam und weil ich seit der Existenz von Corona auch extrem selten mich zum Nähen getroffen habe. Das soll sich aber auch jetzt wieder ändern. Also nehme ich euch jetzt mit auf meine Reise und ich sage euch es gab viele Hürden:

Als erstes habe ich mal eingesammelt, was auf jeden Fall in die Tasche passen muss und immer drin bleiben soll: eine zusammenklappbare Schneidematte, meine Minibügelunterlage, das kleine Bügeleisen (plus ein Mehrfachstecker) und meine Sew-Together-Bag, in der neben Scheren, Klammern etc. auch das benötigte Garn und Zusatzteile wie Reißverschlüsse etc. seinen Platz finden kann (die ist wirklich riesig und es passt irre viel rein), ein paar Nähgewichte (Geschenk von Gabi) und ein Standardlineal. Außerdem braucht es Platz für Schnittmuster, die am besten neben der stabilen Schneidematte Platz finden können, damit sie nicht verknicken und für Stoffe, die ich zum Nähen benötige oder ein angefangenes Projekt. Auch soll eine Wasserflasche noch reinpassen. Da ich gern öffentlich unterwegs bin (also wenn keine Nähmaschine mitgebracht werden muss) braucht die Tasche oben einen Verschluss und an der Seite eine Reißverschlusstasche, um schnell mal eine Fahrkarte, das Handy oder eine Wegbeschreibung einzustecken.

Das Material für die Tasche lag in Teilen schon bereit. Ich hatte mir dafür extra mal einen tollen Stoff bestellt in robustem Grau, auf dem schon ein Vlies drauf ist. Der türkise Futterstoff ist so ein flutschiger Stoff, aber doch grifffest, den wollte ich gern als Kontrast. Und ganz wichtig sollte auf der Tasche mein allererstes FFP-Projekt Platz finden (aus einem Projekt 2018 mit Gabi und Ines). So lange gibt es den Wunsch nach der Tasche schon … ergänzen musste ich noch ein blauen Reißverschluss, zwei Zipper, ein Label, Garne und ein Gurtband.

Blieb die Frage nach dem Schnittmuster und da ja heuer alles anders wird, hab ich nicht lang gefackelt und mich mutig entschlossen daran gemacht die Tasche diesmal selber zu konstruieren. Die Basis bildete die Ruck-Zuck-Tasche von der Taschenspieler 4 CD. Diese hab ich gedruckt und dann zum einen breiter gemacht, damit die Schneidematte reinpasst und zum anderen wollte ich sie auch tiefer haben, also habe auch hier angestückelt. Auch sollte der Schmetterling drauf Platz finden und der war auch breiter.

Dann mutig die Außenteile zugeschnitten und als erstes die Außentasche genäht (au weia, Reißverschüsse habe ich schon ewig nimmer wo eingenäht und Zipper aufgezogen) und dann auf eine Seite mittig aufgesetzt und rundum festgesteppt. Dabei hat sich der flutschige Stoff als eher suboptimal zum Nähen erwiesen.

Auf die andere Seite habe ich dann den Schmetterlingsblock aufgenäht (man hätte hier wohl auch noch schön quilten können, aber dafür hat mein Hirn bei der Taschenkonstruktion nicht mehr gereicht). Ich habe nur in den Farben 1mm vom Rand weg die Segmente angenäht und dann außen um den Falter mit 3mm Abstand versucht ein bisschen „flattern“ einzufangen. Oben und unten dann den Rand mit Nahtband eingefasst und aufgenäht.

Dann auf beiden Teilen die Gurte, welche ich 150cm lang gemacht habe pro Seite, symmetrisch aufgesteckt und festgenäht und oben mit einer kleinen Raupe je gesichert. Ich mag es, wie sich das schöne Gurtband über die ganze Tasche zieht und so ist das Gewicht dann auch gut verteilt.

Die Außentasche zusammengenäht und ein bisschen selig draufgeguckt, gefiel mir. Danach habe ich festgestellt, dass der Futterstoff für innen nicht ausreicht und bin erstmal an den Stoffschrank gegangen, um die Lage zu sondieren. Entschieden habe ich mich schlussendlich für einen schwarzen Jeansstoff. Aus diesem die Innenteile zugeschnitten und gleich eine Einstecktasche für die Matte aus dem türkisen Stoff gemacht (Größe mit dem abgeknickten Schnittmuster angepeilt und auf eine Seite aufgenäht, sodass sie am Ende bodengleich abschließt.

Und dann begann die Kniffelei, denn ich wollte gern auf diese Tiefe der Tasche eine Trennwand in der Mitte haben. Die Idee ist vorn die Stoffe reinzupacken und hinten das Equipment, damit man schnell was finden kann, was man braucht. Aber wie näht man das ein … ich habe es dann so gemacht (und ich habe keine Ahnung ob das doof oder schlau war, ich wollte einfach nur ganz alleine eine Lösung finden): Als erstes die Trennwand doppelt zuschneiden. Im Nachhinein würde ich da noch Stylevil einarbeiten für die Stabilität, jedoch habe ich sie nur durch eine Ziernaht an der Oberkante stabilisiert. Diese dann an der Bodenfalte anlegen, die zweite Hälfte rechts auf rechts darauf und dann die Unterkante schließen.

Jetzt brauche ich eine Falte, die ich dann auseinander ziehen kann, damit ich den Boden abnähen kann. Dafür habe ich mir wie auf den Bildern gezeigt erst die Oberseite zurückgeschlagen und die Kanten der Bodennaht aufeinander gelegt. Anschließend wieder zurückklappen und auf die Ecke auflegen. Dann liegt die Seitenkante bündig an der Innentasche. Das macht man an allen vier Ecken und bekommt so zwei Falten auf jeder Seite, aus denen man dann, wenn man sie auseinanderzieht die Bodenkante bekommt.

Zum Abschluss die Bodennaht zunähen und dann die ganze Tasche mal auseinanderfalten. Ich habe mich so gefreut, als der Plan aufging.

Hätte ich nun den Reißverschluss direkt oben an die Kante genäht, dann wäre die Tasche nach oben hin wenig geräumig. Also brauchte ich einen Reißverschluss mit einer Blende. Ich habe einfach an der Tasche gemessen, wie lange er werden soll und dann jeweils Außen- und Futterstoff zugeschnitten und an den Reißverschluss genäht. Da man ja die hintere Kante nicht von links nähen kann, weil da der Reißverschluss rausgehen muss, hab ich mir das Foto hier mit im Blog verewigt, damit ich beim nächsten Mal nicht so heftig nachdenken muss. Dann den Zipper aufziehen und ein Schwänzchen dran, damit nichts mehr abhaut.

So langsam nahte der große Augenblick, aber erst noch die Blenden an die Tasche stecken und mit einem Heftstich vornähen. Zum Schluss die Taschen ineinander stecken (alle Anhänge wie Gurte, Reißverschlussschwänzchen, Taschenteile aus der Naht nehmen und dann alles gut zusammenstecken und die Hochzeit vollziehen (ich mag den Ausdruck aus der Autoindustrie, wo man damit das Zusammenfügen von Fahrwerk und Karosserie so nennt). So und jetzt fragen sich sicher alle, wo verdammt hat sie bloss die Wendeöffnung versteckt … naja, vor lauter Enthusiasmus beim Nähen der Außen- und Innentasche habe ich natürlich keine reingemacht. Zum Glück habe ich es beim Zusammenstecken aber gemerkt und den Innentaschenboden nochmal ein Stück aufgemacht.

Nach der Geburt war alles da … halleluja, was hab ich mich gefreut und meine Nähmaschine ist ein echtes Arbeitstier. Sie hat widerspruchslos die Tasche oben herum abgesteppt, und weil die Blende nicht schön stand, habe ich dann an der Blende entlang jeweils nochmal auf die Tasche gesteppt, das waren dann immerhin fünf Lagen Jeans plus fünf Lagen Steppstoff weil ich ja auf der Nahtzugabe abgesteppt habe. Und dann gefiel es mir und hatte guten Stand.

Et voilà – da ist sie einmal von hinten ….

… und einmal von vorn:

Und zum Schluss noch das Innenleben einmal mit dem gewünschten Inhalt. Es ist noch viel Platz drin und ich bin stolz, dass bis auf die ein wenig labberige Mittelwand, die mich aber nicht weiter stört, weil sie nicht stabilisieren, sondern nur trennen soll, wirklich alles umsetzbar war, was ich mir ausgedacht habe.

So, jetzt ist nicht nur im Nähzimmer noch ein letzter Rest aufgeräumt in die Linkparty, sondern ich habe auch ein gut gelagertes nicht angefangenes Projekt oder doch ein UFO, weil der Schmetterling schon fertig war und jetzt zu Valomea und Annette geflogen ist, fertig gemacht und ich hoffe ihr habt eine Anregung mehr, was sich noch wegräumen lässt oder wobei ihr Stoffe verbrauchen könnt, die weg sollen.

17 Gedanke zu “Auf zum Nähtreffen”
  1. Liebe Ingrid,
    das ist ein zauberhaftes Projekt! Die Tasche ist Dir supergut gelungen und mit dem Schmetterling bist Du der Hingucker auf jedem Nähtreffen.
    Dieser Schnitt von der Taschenspieler CD hat richtig Potential. Eigentlich war das ja als Ruckzucktasche gedacht, aber ich habe den auch schon mal mit ganz viel Schnickschnack genäht und das ist eigentlich meine Lieblingstasche. Hat leider die falschen Farben und ich liebäugele schon eine Weile mit Version 2… Aber das werde ich im Rahmen von Klar-Schiff-im-Nähzimmer nicht mehr schaffen….
    LG
    Elke

  2. Die Tasche ist toll geworden. Für mich ist das zu kompliziert. Aber was macht man mit Nähgewichten? Ehrlich gesagt, habe ich bis jetzt noch nichts davon gehört.
    Wenn ich das richtig verstanden habe, bleiben alle Dinge in der Tasche bis zum nächsten Treffen? Dann hast du alles doppelt in deinem Vorrat? Gut finde ich es schon, denn mir geht es auch so. Irgendetwas vergesse ich immer. So ist alles schön beisammen.
    Liebe Grüße
    Renate

    1. Nähgewichte lege ich auf Schnittmuster beim Zuschneiden oder auch mal auf ein Lineal beim Schneiden, damit es gut liegen bleibt. Auch beschwere ich damit gern zugeschnittene Stoffe, wenn wo gelüftet wird und alles davonfliegt. Die Matte, das Lineal, das kleine Bügeleisen und die kleine Filzmatte bleiben immer in der Tasche mit den Nähgewichten. Und auch die Sew-together-Bag, in die ich dann nur noch passende Garne, Knöpfe, Nadeln etc. ergänze. Da drin ist immer eine Schere, ein Nahttrenner, Stecknadeln, paar Klammern, … – das sind alles Dinge, die mal als Zugaben bei Stoffbestellungen drin waren oder die aus den Haushalten von meiner Großmütter zu mir gewandert sind. Dort sind sie gut aufgehoben und helfen mir – sonst bräuchte ich sie nicht und hätte sie weiter gegeben. Viele Grüße Ingrid

  3. Und ich hab nur eine schnöde transparente Box. 😁🤦
    Mit den Gewichten, muß ich sagen, da helfen mir immer die vielen Türstopper aus Metall, die wir eh haben. Oder manchmal auch mein Bretteisen oder verschiedene Anken. Aber ja, gut ist das schon, gell.
    Viel Spaß mit der neuen tollen Tasche und danke für Deinen Besuch!
    Schönen Abend noch,
    Liebgruß
    Tiger
    🐯

  4. Liebe Ingrid,

    ich finde deien Tasche sieht total schön aus. Die Farben harmonieren klasse zusammen und auch die Größe finde ich super. (Daumen hoch) Ich frage mich allerdings, warum du dein kleines Bügeleisen nur auf einem Nähtreff benötigst? Ich überlege ob ich mir ein kleines zweites zu legen soll … das würde Wege und Zeit sparen. Wie findest du deine Pressmatte?

    Viele liebe Grüße deine nähbegeisterte Andrea

  5. Liebe Ingrid, wie cooooooool, dass deine wunderbare Tasche fertig ist! Gut Ding braucht manchmal Weile, aber das Ergebnis stellt alles andere in den Schatten. Danke für die ausführliche Beschreibung der einzelnen Schritte und vor allem auch fürs Detailfoto der Blende! Genau sowas muss ich auch bald in eine Tasche reinbasteln, die ich nach nur ungefähren Maßen nähe; dein Detailfoto kommt mir wie gerufen!
    Gratuliere zum mutigen Anpassen des Schnittmusters, und dass alles so hingehauen hat, wie du dir das vorgestellt hast. „Hochzeit“ fürs Zusammennähen und „Geburt“ fürs Wenden der Tasche kannte ich noch nicht – aber wie passend! UND deine Tasche sieht sehr schick aus. Ein wunderbares Projekt!
    Waaaas? 2018 war unser Nähtreffen? Das hätte ich nie geglaubt, dass es schon so lang her ist. Aber gut, dazwischen war Corona, und da war nicht viel. Ich freu mich, dass wir uns schon so lang – und immer noch! – kennen. Mit deiner Nähtasche wirst du mit Sicherheit viel Freude bei den Treffen haben und viele Komplimente einsammeln. 🙂 Liebe Grüße, Gabi

  6. Liebe Ingrid,
    whow, da gab es aber dieses Mal viel zu Lesen. Schritt für Schritt durften wir die Entstehung Deiner neuen Tasche mitbegleiten und vielleicht wollen viele jetzt auch so eine praktische Tasche. Der Schmetterling hat einen hervorragenden Platz bekommen. Kurz und gut, mir gefällt Deine Tasche ausgesprochen gut. Viel Spaß wünsche ich Dir damit.
    Liebe Grüße Anke

  7. Liebe Ingrid, endlich hab ich Deinen Bericht zu dieser großartigen Tasche gelesen und bin begeistert! So toll durchdacht und umgesetzt und außerdem noch herrlich anzuschauen, super!!! Ich mag die Trennwand und auch die RV-Blende (finde ich bei so großen Taschen mit wertvollem Inhalt ganz wichtig) und den Schmetterling sowieso! Wir sollten uns unbedingt mal wieder auf den Weg machen… Danke fürs Zeigen und die umfangreichen Infos und die vielen Bilder! Alles Liebe
    Katrin

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