Rund um die Biene

*Den Abschluss unserer Ideen zum Thema „Wir machen klar Schiff in der Küche“ mache ich heute zum Thema „Rund um die Biene“. Diese Thematik treibt mich nicht zur im Bezug auf Nachhaltigkeit, sondern auch aus meiner beruflichen Sicht als Biologin und Chemikerin um.

Und von diesem Standpunkt aus habe ich mich dem Thema genähert … und natürlich Stoffreste verwendet, den diese wollen wir ja mit unserer Aktion auch abbauen.

Überall kann man gerade die oft erhitzten Diskussionen über die Bienenwachstücher lesen und die Urteile reichen von der alleinigmachenden Glückseligkeit bis hin zur Verteufelung und auch in Punkto Herstellung liest man ständig Anleitungen, von denen ich mich oft gefragt habe ob das wirklich funktioniert oder die Teils exotische Öle als Beigaben enthalten … aber erst mal … ich mag Bienen und wenn sie herumsummen und fleißig ihrer Bestäuberaufgabe nachgehen und noch guten Nektar sammeln (da schmecke ich schon das Honigbrot) … ist sie nicht einfach wunderschön …

David Hablützel auf Pixabay

Reines Bienenwachs ist ein hundert prozentiges Naturprodukt und stammt aus dem Hinterleib von Arbeitsbienen. Vor allem zwischen dem 12. – 18. Lebenstag produzieren diese, dann Baubienen genannten Arbeiterinnen, aus den 8 Wachsdrüsen am Hinterleib ein Wachssekret, welches beim Austritt in Kombination mit Luftsauerstoff zu schneeweißen Wachsschuppen wird. Diese werden dann unter Abgabe von Sekreten aus dem Mund mit Hilfe der Mundwerkzeuge verarbeitet und als frisches Wachs beim Wabenbau oder zur Verdeckelung der mit Honig gefüllten Vorratswaben bzw. der mit Eiern belegten Aufzuchtwaben verwendet. Beim Verbauen verfärbt sich das Wachs dann durch Propolis und Pollenöl von hell- bis goldgelb.

David Hablützel auf Pixabay

Das sauberste Wachs, welches ich auch hier für die Verarbeitung in meinem Wachstüchern verwendet habe, erhält man, wenn der Imker vor dem Ausschleudern des Honigs die verdeckelten Waben abnimmt und das reine Wachs ausschleudert und dann einschmilzt. Ebenfalls ziemlich reines Wachs erhält man beim Einschmelzen der Waben, in welchen sich der Honig befunden hat. Alles andere Wachs sollte man besser nicht für den Kontakt mit Lebensmitteln verwenden – auch nicht für Salben und Cremes, für die ich es auch nutze. Das Wachs hier stammt von einem ehemaligen Schüler, der auch Imker ist.

Dieses Bienenwachs ist chemisch betrachtet ein Gemisch aus sehr vielen Komponenten. Die wichtigsten sind viele verschiedene Ester (65%, vor allem langkettiger Alkohole), gesättigte Kohlenwasserstoffe (<15%), reine Fettsäuren (<15%) und andere Stoffe wie zum Beispiel auch Aromastoffe. Daraus resultiert der eher niedrige Schmelzpunkt von ca. 65°C und die Eigenschaft beim Erstarren unter 60°C eine eher brüchige Konsistenz zu haben. Wärmt man Bienenwachs zwischen den Händen, so wird es wachsweich und lässt sich unter Druck auch formen. Löslich ist es nur in warmen Fetten oder Ölen, wodurch man die Konsistenz verändern kann. Und so habe ich mich entschieden für meine Tücher als Zusatz, damit sie nicht so steif werden, Kokosfett zu verwenden, welches auch viele identischen Komponenten enthält wie das Bienenwachs. Das habe ich mit Biosiegel im Haus, weil wir es als Antizeckenmittel auf die Unterschenkel und Unterarme schmieren, wenn wir in Wald und Wiesen herumvagabundieren – der Geruch, den ich persönlich so gar nicht mag, verfliegt aber innerhalb kürzester Zeit.

Bei allen Anleitungen, die ich so im Laufe der Zeit gesehen habe, hat mich immer gestört, dass so viel des aus meiner Sicht kostbaren Wachses vergeudet wurde. Am schlimmsten fand ich das Einpinseln des Stoffes, wo hinterher der Schmelztigel, der Pinsel und alles außen herum völlig eingesaut ist … dafür war mir das Wachs zu schade. Blieben also zwei Möglichkeiten für mich: Brocken im Ofen zwischen Stoffe legen und vorsichtig schmelzen und dann einbügeln oder das Ganze einfach gleich mit geringer Menge einbügeln. Und so habe ich Stoffreste herausgekramt, es reichen Stücke ab 20cm bis 50 cm, je nachdem was ihr damit abdecken oder einwickeln wollt.

Wir ihr oben sehen könnt, habe ich mich für die letzte Variante entschieden und bin sehr zufrieden damit. Ich habe mit dem Kind das Wachs auf einer kleinen Reibe geraspelt und dazwischen hat er einfach Kokosfett drauf geschmiert. Und dann ging es los …

Resultat war ein perfekt eingezogenes Bienenwachs/Kokosfettgemisch und das Tuch fühlte sich gut an. Man sieht aber auch auf den Bildern, dass es insgesamt noch etwas zu wenig Wachs war, weswegen wir dann einfach noch einmal an den Rändern und auch in der Mitte ein paar Krümel Bienenwachs verteilt haben und dieses nochmal eingebügelt haben.

Beim zweiten Mal haben wir dann auf einem größeren Stoffrest gleich etwas mehr Wachskrümel verteilt und etwa die gleiche Menge Kokosfett wie vorher beim kleinen Tuch und das war die ideale Mischung und auch die Menge stimmte besser. Die Bügeltechnik ist Folgende: erst einmal mit dem Bügeleisen durch Aufstellen vorsichtig die dickeren Krümel platt schmelzen und dann erst mit langsamen Bügelbewegungen von der Mitte ausgehend Wachs und Fett in den Stoff einbügeln. So schwimmt quasi das überschüssige Wachs oben/unten auf dem Tuch mit und gelangt auch gut bis an den Stoffrand, aber so das es kaum daneben läuft – das hat mich im Bezug auf den Wachsverbrauch zufrieden gestellt.

Aber passt bitte auf, wenn ihr zu viel Wachs habt oder mehrere Tücher auf einmal bügeln wollt, drückt sich das Wachs auch durch Backpapier – also Vorsicht was ihr unten drunter habt. Ich habe auch ein altes ganz einfaches Bügeleisen genommen, ohne Dampffunktion.

Das Ergebnis: die fertigen Tücher sind ein bisschen schief … das Kind und ich haben nur so am Muster entlang geschnitten; die Tücher fassen sich gut an, sie sind wachsig und trotzdem nicht gesterr. Einzig stört mich ein bisschen, dass das weiß jetzt eben so schmutzig gelblich aussieht, daran habe ich vorher irgendwie nicht gedacht … aber klar, die gelbe Farbe des Wachses sieht man jetzt eben.

Wie ist das nun mit der Hygiene und der Unbedenklichkeit der verwendeten „Chemikalien“ … für mich entscheidend ist die Reinheit der Rohstoffe, kauft also das Bienenwachs beim Imker eures Vertrauens oder bei einem Händler mit entsprechendem Siegel – ebenso wie Öle, die ihr vielleicht zusetzen wollt. Die Tücher kann man aus meiner Sicht also unbedenklich verwenden zum Abdecken von Schüsseln oder auch zum Einwickeln von Resten – gesäubert werden sie bei mir mit heißem Wasser aus dem Hahn. Allerdings transportiere ich Schüsseln von Ort zu Ort lieber vollständig verschlossen – dafür gehen mir die Tücher dann doch zu leicht weg vom Schüsselrand und auch Pausenbrot, Gemüse und Obst landen lieber in der verschlossenen Edelstahlbox, das finde ich einfach praktischer.

Hanjörg Scherzer auf Pixabay

Und ich … ich habe natürlich beim Imker meines Vertrauens gleich eine ganze Kiste mit 12 Gläsern Honig gekauft … der kleine Mann und ich lieben ihn sehr und ich verschenke ja kein Stehrumkes, sondern lieber was zum Auffuttern.

So und nun seid ihr dran, braucht ihr Ideen wo ihr eure Stoffreste in der Küche verbrauchen könnt, dann guckt mal hier … denn bisher gab es in unserem Bloghop zu sehen:

  • Log Cabin Topflappen bei Ulrike zum Thema „Vorsicht heiß
  • Tischsets und Brotkörbchen bei Marita zum Thema „Gedeckter Tisch
  • Sitzkissen bei Ulrike zum Thema „Gemütlich sitzen
  • Küchenmaschinenabdeckung bei mir zum Thema „Küchenkleider
  • Bestickte Küchenhandtücher bei Marita zum Thema „In trockenen Tüchern“

Und noch viel mehr schöne Sachen findet ihr hier in unserer Linkparty, die noch bis zum 28.3.20 geöffnet ist und dann wartet unter allen Teilnehmern noch eine Verlosung auf euch!

You are invited to the Inlinkz link party!

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* Auf meinem Blog schreibe ich privat und ohne kommerzielles Interesse über mein Hobby und nenne oder zeige dabei auch Schnittmuster/Materialien/Bücher/Zeitschriften/… Dazu äußere ich in meinen Beiträgen meine freie persönliche Meinung. Auch verlinke ich andere Blogs oder Websiten, wenn ich dort Dinge von Interesse entdecke und mit meinen Lesern zu deren Information teilen möchte. Für alle diese Einschätzungen erhalte ich keine Gegenleistungen.

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9 Gedanken zu “Rund um die Biene”